Philosophie hilft
- Albin Wirbel
- 30. März 2021
- 3 Min. Lesezeit

Warum?
Aktuell ist es schwerer denn je einen klaren Kopf zu behalten. Philosophie ist eine Methode, um kritisch auf die Welt zu blicken und sich nicht von Allgemeinplätzen einlullen zu lassen.
Die erzwungene Selbstisolation in der Corona-Zeit ist für viele Menschen zunehmend schwerer ertragbar, weil Ihnen soziale Kontakte fehlen. Wir fühlen uns aber weniger einsam mit unserem Leid, unseren Sorgen und Ängsten, wenn wir lesen, dass Menschen schon vor Hunderten oder Tausenden von Jahren dieselben Ängste und ähnliche Sorgen hatten.
Philosophie, Kunst und Literatur sind ein lebendiger Schatz an Einsichten und Erkenntnissen, so alt wie die menschliche Zivilisation selbst. Mit ihm können wir eingefahrenen Denkbahnen erkennen und aus unserem gedanklichen Hamsterrad ausbrechen. Dieser Schatz hilft uns einen neuen und frischen Blick auf das Leben werfen. Fast alle Konflikte unseres eigenen Lebens wurden in der einen oder anderen Form schon einmal durchdacht – wir müssen uns nur auf die Denkreise einlassen.
„Es gibt nichts Neues auf der Welt“ Marc Aurel
Schauen wir uns beispielhaft einige Schlagworte an:
Hedonismus
(Wikipedia: Eine philosophische bzw. ethische Strömung, deren Grundthese lautet, dass einzig Lust bzw. Freude und die Vermeidung von Schmerz bzw. Leid ihre Wirkung intrinsisch entfalten. Im Gegensatz zu dem philosophischen Verständnis wird im alltagssprachlichen Gebrauch mit dem Begriff Hedonismus häufig eine nur an momentanen Genüssen orientierte egoistische Lebenseinstellung bezeichnet.)
Diese auf Epikur (ca 341 - 271 v. Chr.) zurückgehende philosophische Richtung wird oft auf die lateinische Sentenz „carpe diem“ („Nutze den Tag“) eingedampft und als Aufforderung zu maßlosem Lustgewinn gesehen.
Für Epikur besteht das Problem allerdings nicht darin, sich an Dingen zu erfreuen. Sondern darin, dass sie uns dazu bringen, stets unsere Konzentration darauf zu richten, was wir noch nicht erreicht haben und was uns fehlt. Wilhelm Busch formuliert dies pointiert so: „Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge.“ Denn wir können immer noch erfolgreicher, wohlhabender und schöner sein. Der Wunsch danach hält uns dann davon ab, das zu genießen, was wir im Moment haben. Laut Epikur gibt es nur einen Weg, glücklich zu sein: sei zufrieden mit dem, was da ist, und wolle nichts anderes. Ein überlegenswerter Gedanke, einmal all das zu sammeln, was schon da ist
Freiheit
Freiheit bedeutet für die meisten von uns, unabhängig und unbehelligt von anderen zu sein. Der russisch-britische Philosoph Isaiah Berlin nannte das negative Freiheit. Sie entsteht, wenn wir frei sind von Abhängigkeit und Verbindlichkeit. Nach vielen Affären, vielen Jobs und vielen Projekten fühlen sich die meisten Menschen nicht freier, sondern eher ausgelaugt. Zu viele Auswahlmöglichkeiten hemmen. Die Angst, uns festzulegen, blockiert uns. Und sobald wir wählen, legen wir uns fest und zeigen etwas mehr von unserem Inneren.
Berlin definierte Berlin auch die positive Freiheit: Sie entsteht, wenn wir uns dauerhaft für etwas entscheiden und konsequent danach leben. Er nannte diesen Schritt Selbstverwirklichung. Ich finde es interessant, die Begriffe „Freiheit“ und „Selbstverwirklichung“ auch einmal unter diesen Gesichtspunkten zu überdenken.
Körperlichkeit
Sexualität ist ein kommunikativer Akt. Unser Bewusstsein drückt sich in unserem Körper aus. Das Abendland ist seit Jahrtausenden in seiner Philosophie eher körperfeindlich geprägt. Es wäre aber besser den Körper nicht als Kerker für die Seele zu sehen, sondern als wundervolles Werkzeug sich auszudrücken. Im Tantra z.B. führt der Weg zur Erleuchtung über und durch die Körperlichkeit. Hier geht es nicht mehr um Köper oder Geist, sondern um existenzielle Erfahrungen von Spiritualität, Liebe, Verbundensein.
Vielleicht hilft hier auch die bewusste Unterscheidung zwischen natürlichen/notwendigen Begierden (Liebe, Freundschaft, Nahrung, Wasser) und nicht-notwendigen Begierden (Status, Reichtum, Erfolg)
Das waren nur einige kleine Beispiele wie Philosophieren im Alltag praktisch angewandt werden könnte. Ebenso hilfreich könnten auch Anregungen aus Literatur, Kunst oder Musik sein. Dazu vielleicht in einem anderen Beitrag.
Inspiriert wurde dieser Text von „Kleine Schule des Lebens“ von Lammert Kamphuis
Comments